Bayreuth. Die Regierung will das Bundesjagdgesetz novellieren. Grundsätzlich soll ein tragfähiger Ausgleich zwischen Wald und Wild erreicht werden. Die verschiedenen Positionen von Waldbesitzern, Jägern und Naturschutzvereinen dabei zu vereinen, ist nicht leicht. Anlässlich der Novellierung hat die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert deshalb Waldbesitzer und Jäger aus dem Wahlkreis zu einer Gesprächsrunde eingeladen, um die unterschiedlichen Meinungen zu den geplanten Gesetzesänderungen anzuhören und die Anliegen der Betroffenen aus dem Wahlkreis in Berlin einbringen zu können.

Wesentliche Streitpunkte zwischen Jägern, Waldbesitzern und Naturschutzverbänden sind der Hegebegriff und die damit verbundene Verjüngung des Waldes, der Mindestabschuss und der Einsatz von Nachtsichttechnik.

Ziel ist eine an den Klimawandel angepasste Waldbewirtschaftung. Dies erfordert eine Anpassung des Bundesjagdgesetzes, um dort, wo zu hohe Wildbestände die Verjüngung des Waldes beeinträchtigen, handeln zu können. „Die Naturverjüngung ist das A&O. Pflanzung kann nur die letzte Lösung sein“, sagt Gerhard Potzel, Geschäftsführer der Waldvereinigung Bayreuth.

Gerhard Steininger ist selbst Jäger und Förster beim Forstbetrieb Pegnitz. Er sagt, dass die Wildbestände auf ein vernünftiges Maß gebracht werden müssen, um eine Naturverjüngung erreichen zu können und Verbiss zu minimieren. Zumindest die Mutterbäume des Waldes wie Buchen müssten es schaffen, ohne Schutzmaßnahmen wachsen zu können. „Wir müssen den Waldumbau im Wesentlichen ohne Schutz schaffen.“ Man müsse aber auch über die Jagdzeiten diskutieren und über die Schuss- und Schonzeiten sprechen. Nach Meinung von Heinrich von Pölnitz, Forstwirt und im Ausschuss des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, brauche ein Rehbock überhaupt keine Schonzeit.

Auch Wolfgang Degen, Waldbesitzer und Jäger aus Hollfeld, ist der Meinung: Dort, wo es zu viel Wild gibt, gibt es auch Probleme. Doch einige Baumarten, die Leckerbissen für die Rehe seien, würden es ohne Schutz nicht schaffen. Vor allem Lärche, Tanne und Eiche müssten vor Verbiss geschützt werden. Laut Jäger Friedrich Moreth sei eine differenzierte Betrachtung notwendig. Ganz ohne Schutzmaßnahmen sei das Ziel der Verjüngung des Waldes nicht machbar. Aber zumindest heimische Baumarten müssten es ohne schaffen. „Wo zu viel Wild ist, muss eingegriffen werden“, fasst Moreth zusammen. „Auf Drängen der CSU wurde eine Länderunberührtheitsklausel in Bezug auf den Mindestabschuss aufgenommen. In Bayern würde alles wie gehabt bleiben“, sagt Dr. Silke Launert.

Heinrich von Pölnitz lebt vom Wald und weiß, wie Waldbesitzer unter dem Klimawandel leiden: „Wir sind mitten im Klimawandel. Die Jagd ist eine wichtige Schaltstelle für die Verjüngung des Waldes. Wir haben keine Zeit für Experimente. Vielen Waldbesitzern steht das Wasser bis über dem Scheitel.“

Jungjägerin Sonja Steininger forderte außerdem die Anpassung der Jagdprüfung auf bayerisches Niveau. Die Unterschiede zwischen den Ländern bei der Prüfung seien enorm. „Es darf nicht sein, dass jeder ganz einfach einen Jagdschein bekommt“, sagt Steininger. „Jäger haben eine große Verantwortung gegenüber Tier und Natur.“ Aus diesem Grund begrüße die junge Jägerin auch den Einsatz von Nachtsichtgeräten bei der Jagd. Der laut Gesetzesentwurf aber nur für die Jagd auf Schwarzwild (Wildschweine) erlaubt werden soll.

„Nachtsicht dient dem Tierschutz. Wir werden zunehmen danach beurteilt, wie wir mit dem Tierschutz umgehen“, ergänzt Moreth, der jahrzehntelang als Amtstierarzt tätig war. Die Jagd werde mit der Technik effizienter, man könne genauer differenzieren, was geschossen wird, sagt auch Potzel.

Die Bundestagsabgeordnete wollte auch die Meinung der Jäger und Waldbesitzer zum Streitpunkt überjagende Hunde und der Diskussion um Bleimunition wissen. Wie sich herauskristallisierte, sind die Jäger grundsätzlich für die Duldung von Hunden bei der Jagd. Wenngleich sie sich zumindest eine Anmeldepflicht von Bewegungsjagden wünschen, wie Sonja Steininger sagte. Denn dies sei nicht immer der Fall und könne zu Ärger mit den angrenzenden Waldbesitzern führen. Denn: „Hunde kennen keine Reviergrenzen“, sagt von Pölnitz.

Friedrich Moreth setzt sich vor allem auch für die Forderung nach bleifreier Munition ein. „Wir brauchen eine zuverlässige, schnelltötende und tierschutzkonforme Munition mit so wenig Blei wie möglich.“ Irgendwann müsse man ganz vom Blei in der Munition wegkommen, wünscht sich Moreth. Handlungsbedarf besteht diesbezüglich, weil durch das Blei aus der Munition im Wildkörper, ein Gesundheitsrisiko für Schwangere und Kinder nicht ausgeschlossen werden kann.

Um den Wald 2.0, den Mischwald der Zukunft, zu schaffen, und das Beste für Wald und Tier zu erreichen, müssen alle an einem Strang ziehen, schloss der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Pegnitz, Werner Lautner, die Gesprächsrunde. „Das geht nur miteinander. Die Jäger und Waldbesitzer müssen Spaß an ihrem Wald haben. Der Wald muss es schaffen, möglichst ohne Schutz wieder hochzukommen.“

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