Treffen kann es jeden, zum Beispiel als Folge eines Verkehrsunfalls. Wie man optimal vorsorgen kann, das weiß Silke Launert, Mitglied im Rechs- und Familienausschuss des Bundestages und frühere Betreuungsrichterin. Bei einer Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung berichtete sie aus ihrem Erfahrungsschatz und stellte die unterschiedlichen Vorsorgemöglichkeiten vor.

Einigen Interessierten scheint das Thema doch unter den Nägeln zu brennen, denn der Vortrag zum Thema „Vorsorgevollmacht und Betreuungsrecht“ lockte rund 120 Zuhörer in das Arvena Hotel in Bayreuth. „Kümmern sie sich darum, machen sie sich rechtzeitig Gedanken“, sagte Launert. „Es geht schließlich nicht nur um ihre ganzes Vermögen, es geht vielmehr um ihr Leben“, machte sie den Ernst der Lage klar.

Dabei muss es nicht immer gleich um die Abschaltung von Geräten gehen, auch Bankgeschäfte müssen geregelt, Verträge mit Krankenhäusern oder Heimen geschlossen oder Reha-Maßnahmen in die Wege geleitet werden. Ein weit verbreiteter Irrglaube sei es dabei, dass automatisch der Ehegatte die Sache in die Hand nimmt. „So einfach ist es nicht, dass Ehegatten automatisch entscheiden dürfen“, warnte die Referentin.

Im Grunde gibt es drei verschiedene Möglichkeiten der Vorsorge: die Vorsorgevollmacht, eine Betreuung oder eine Patientenverfügung. Für alle drei Möglichkeiten gilt: man muss sie abschließen, solange man noch geistig fit ist.

Ziel der Vorsorgevollmacht ist es, alles zu regeln, sogar das Öffnen der Post, denn schließlich gibt es das Postgeheimnis. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagte Launert. Zwei Dinge gebe es allerdings bei der Vorsorgevollmacht zu beachten: Zum einen stößt sie an Grenzern, zum Beispiel dann, wenn es um die Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung geht, dann muss ein ärztliches Gutachten her. Auch Dinge wie Bettgitter, Bauchgurt oder Fixierung brauchen die Genehmigung, in diesem Fall die eines Richters. Zum anderen muss die Vorsorgevoll macht im Fall des Falles auch auffindbar sein, das heißt, sie sollte entweder bei einem Rechtsanwalt oder Notar hinterlegt, oder eine Person des Vertrauens sollte davon wissen.

Eine Betreuung wird dagegen dann automatisch vom Gericht bestellt, wenn man nicht anders vorgesorgt hat, um sämtliche rechtliche Angelegenheiten zu erledigen. Im Rahmen einer Betreuungsverfügung kann der Betroffene dem Gericht auch mitteilen, wenn er im Fall des Falles einmal als Betreuer möchte. Der Betreuer müsse stets das entscheiden, was am besten für den Betreuten ist. Allerdings gebe es dabei auch immer Sachzwänge. Wenn die Kosten für das Heim nicht reichen, müsse ein Eigenheim verkauft werden.

Als dritte Möglichkeit nannte Launert die Patientenverfügung. Sie legt genau fest, wie jemand anders entscheiden soll, zum Beispiel bei ärztlichen Eingriffen. „Das ist eine Riesenhilfe für diejenigen, die entscheiden müssen“, sagte die Referentin. Für die Angehörigen sei so etwas ganz wichtig. Als Idealfall der Vorsorge bezeichnete sie deshalb auch die Vorsorgevollmacht in Verbindung mit einer Patientenverfügung. Zu beachten sei dabei allerdings aufgrund jüngster juristischer Entscheidungen, dass Zustimmung oder Ablehnung von „lebensverlängernden Maßnahmen“ alleine nicht mehr ausreicht und konkretisiert werden muss.

Muster für entsprechende Vordrucke gibt es unter anderem auf den Internetseiten des Bayerischen Justizministeriums (www.justiz.bayern.de). Eine persönliche Beratung gibt es bei Katrin Schinner von der Betreuungsstelle des Bayreuther Landratsamtes, Telefon 0921 728 451, Mail: katrin.schinner@lra-bt.bayern.de .

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