Anlässlich ihres Besuchs des „Woochheisla-Festes“, also des Festes für das Waagehäuschen in Kornbach bei Gefrees zeigte sich Dr. Silke Launert begeistert von dieser alten Tradition und vom großen ehrenamtlichen Engagement aller Beteiligten. Im Folgenden soll deshalb die Kornbacher Besonderheit einmal gewürdigt werden.

Kornbach. In jedem Dorf gab es früher mindestens eine Viehwaage. Seit den 1980er Jahren wurden sie sukzessive abgebaut, Schlachtvieh wurde von nun an in den Schlachthöfen gewogen. Ein Ort, in dem noch immer eine geeichte Viehwaage existiert, ist Kornbach, ein keiner Ortsteil von Gefrees im Landkreis Bayreuth. Eigentümer der Viehwaage mitten im Dorf ist die Stadt Gefrees. Dem Bauernverband wurde die Waage schon 1981 zusammen mit dem dazugehörigen Gebäude und der Zufahrt zur mietfreien Nutzung überlassen. Heute kümmert sich ein eigenes Team um den Erhalt des alten bäuerlichen Kulturgutes.
„Früher haben alle im Dorf Tiere gehalten, heute gibt es nur noch einen einzigen Nebenerwerbslandwirt, sagt Claudia Drescher, die sich zusammen mit einigen Mitstreitern rührend um die alte Viehwaage kümmert. Über den Bau und die Geschichte der Waage gibt es kaum noch Unterlagen. Weder bei der Stadt, noch im Dorf. Einzig die Nachkommen von Karl Brey, dem letzten vereidigten Wiegemeister besitzen noch das letzte Waagbuch, in dem Käufer, Verkäufer, die gewogenen Tiere und die Waaggebühren eingetragen wurden.

Mit Hilfe der Gebühren wurde die Waage instand gehalten und geeicht, so Karin Brey. Ihr 2009 verstorbener Schwiegervater war in Kornbach der letzte amtlich vereidigte „Wäger“. 1955 hatte er beim Eichamt in Münchberg seine Prüfung abgelegt. Erzählungen aus dem Dorf zufolge hatte man ihn den Apotheker genannt, weil er sich immer sehr viel Zeit genommen habe, das Gewicht ganz genau zu ermitteln.
Aus den Aufzeichnungen von Karl Brey ergibt sich, dass die Waage zwischen 1971 und 1984 durchschnittlich 112 Mal pro Jahr genutzt wurde. 195 Tiere wurden dabei im Schnitt pro Jahr gewogen, hauptsächlich Schweine, Kühe, Kälber, Bullen, aber auch Hirsche und immer wieder Kleinvieh, also Schafe und Ziegen. Einmal soll sogar die Polizei gekommen sein, um ein Motorrad zu wiegen, das man ganz in der Nähe wegen offensichtlicher Überladung aus dem Verkehr gezogen hatte. Immerhin hat die Waage, deren Waagbalken von der Firma Steinbauer aus Eppingen stammt, eine Höchstlast von 1300 Kilogramm, wobei in 500-Gramm-Schritten gewogen wird. Nach 1984 ging die Zahl der gewogenen Tiere massiv zurück. Schon 1984 und 1985 waren es jährlich nur mehr etwa 130 Tiere, die gewogen wurden.
Als Erinnerung an die alten Zeiten, in denen die Viehwaage noch eine wichtige Rolle spielte, wird in Kornbach alljährlich am Pfingstmontag das „Woochheisla-Fest“, also das Fest zu Ehren des Waage-Häuschens, gefeiert. Dazu gibt es ein eigenes „Woochheisla-Team“, das aus einem Pferdestammtisch entstanden ist. 2002 habe mal wieder das Eichen angestanden, doch die 300 Euro dafür seien nicht aufzutreiben gewesen, erinnert sich Klaus Kopp, einer der Initiatoren des Festes. Auch ihm war daran gelegen, die alte Einrichtung in der Ortsmitte wiederzubeleben. Zwischenzeitlich wurde sogar ein neuer Dachstuhl aufgebracht und das Wiegehäuschen ein wenig erhöht, damit auch größere Pferde problemlos gewogen werden können. Auch mehrere kleine Schrifttafeln vermitteln dem Interessierten die Geschichte der Einrichtung.
Heuer am Pfingstmontag durfte das Team das Gewicht von immerhin 72 Pferden, fünf Hunden und fünf Zweibeinern feststellen. Zwei Euro kostete das Wiegen für die großen Tiere. Hunde und Menschen mussten nur die Hälfte zahlen. Schwiegermütter werden kostenlos gewogen, heißt es augenzwinkernd auf der Preisliste. Mit dem Erlös kann die Kornbacher Viehwaage regelmäßig geeicht werden. Das nächste „Woochheisla-Fest“ findet am Pfingstmontag 2020 statt.

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