Bayreuth. Mit einer Trauerfeier in der Ordenskirche Sr. Georgen hat die Öffentlichkeit Abschied von Anneliese Fischer genommen. Die frühere Landtagsvizepräsidentin und langjährige Bayreuther CSU-Landtagsabgeordnete war am 2. Februar 2020 im Alter von 94 Jahren verstorben.
Aufgebahrt vor dem Altar, drumherum üppiger Blumenschmuck und auf einer Staffelei ein großformatiges Farbfoto der Verstorbenen, das war der Rahmen der zweistündigen liturgischen Feier unter der Leitung von Domkapitular Dr. Josef Zerndl. Er erinnerte an die Kriegsjahre, in denen Anneliese Fischer das Abitur ablegte, an die Nachkriegsjahre, in denen sie als Lehrerin im Spessart tätig war und spannte einen weiten Bogen bis hin zur Vizepräsidentin im Bayerischen Landtag.
In sehr persönlichen Erinnerungen meldeten sich Kinder und Enkel zu Wort. Eine Tochter nannte Anneliese Fischer ein „Vorbild in ihrer unnachahmlichen Art“. Sie habe niemanden nach dem Mund geredet und auch unbequeme Wahrheiten ausgesprochen, so ein Schwiegersohn.
Landtagsvizepräsident Karl Freller, ein langjähriger Weggefährte von Anneliese Fischer würdigte besonders ihre stetige Unerschrockenheit. „Sie setzte alles in Bewegung, wenn es darum ging, der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Bayreuth verliere eine herausragende Persönlichkeit, so Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, die Anneliese Fischer vor gut einem Jahr mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet hatte. Von der „Grande Dame der Bayreuther CSU“ sprach Bürgermeister Thomas Ebersberger. Der Partei sei sie immer eine große Stütze und Ideengeberein gewesen. Ihr Einsatz werde noch lange nachwirken. Weitere Nachrufe sprach die frühere VdK-Landesvorsitzende Ulrike Mascher und der stellvertretende Bürgermeister von Fichtelberg Karl-Heinz Glaser. Anneliese Fischer wurde bereits 1996 mit der Ehrenbürgerwürde von Fichtelberg ausgezeichnet. Vor dem dortigen Rathaus ist seitdem sogar ein Platz nach ihr benannt.
Tief betroffen zum Tod von Anneliese Fischer hat sich Dr. Silke Launert gezeigt. Sie war Anneliese Fischer als damalige Landtagspräsidentin noch als Studentin in der Bürgerreuth in Bayreuth begegnet. Anneliese Fischer habe sie stets beeindruckt, da sie eine überaus engagierte Frau, und damit ein Vorbild für alle Frauen war, wenn es darum geht, sich einzumischen und sich politisch zu betätigen. Anneliese Fischer habe auch maßgeblich dazu beigetragen, dass Launert in die Politik gegangen ist. „Anneliese Fischer war eine der ersten Frauen, die Verantwortung in der ersten Reihe der Politik übernommen hat und sie war bis zuletzt engagiert in der Partei, in vielen Vereinen sowie für die Stadt und den Landkreis Bayreuth“, sagte Launert in ihrem Nachruf. „Ich ziehe den Hut vor Ihrer Lebensleistung in Dankbarkeit und mit tiefstem Respekt.“
Anneliese Fischer wurde 1984 als eine von neun Frauen der CSU-Fraktion in den Bayerischen Landtag gewählt, dem sie bis 1998 angehörte. Im Landtag war sie die Erste, die es bis ins Präsidentenamt schaffte. Dem Bayreuther Stadtrat gehörte sie mit einer vierjährigen Unterbrechung von 1980 bis 1996 an. Anneliese Fischer war außerdem stellvertretende Fraktionsvorsitzende und frauenpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Früher wirkte sie im Elternbeirat des Gymnasiums Christian Ernestinum, war Vorstandsmitglied und später auch Vorsitzende der Landeselternvereinigung. Zudem war sie Vorsitzende des VdK-Kreisverbandes Bayreuth-Stadt und -Land, stellvertretende Landesvorsitzende des VdK und gründete den Freundeskreis des Umweltinformationszentrums Lindenhof. Sie wirkte als Regionalbeauftragte des Weißen Rings, als Mitglied des Pfarrgemeinderats der Schlosskirche und als Ehrensenatorin der Bayreuther Universität.
Anneliese Fischer wurde am 31. Mai 1925 in Pirmasens geboten, sie hatte in Würzburg ihr Abitur, sowie die erste und zweite Lehramtsprüfung abgelegt.

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