Bayreuth. „Feind ist, wer anders denkt“ – dies ist der Titel einer Wanderausstellung des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, die im Foyer des Neuen Rathauses in Bayreuth zu sehen war.
Zur Eröffnung der Ausstellung gab es unter anderem eine Podiumsdiskussion, zu der Bundesbeauftragter Roland Jahn die Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis Bayreuth Dr. Silke Launert und Thomas Hacker eingeladen hatte. Die von Peter Engelbrecht vom Nordbayerischen Kurier moderierte Gesprächsrunde widmete sich dem Thema „Erinnern für die Zukunft? Was geht uns DDR-Geschichte heute noch an?“
„Die Aufklärungsarbeit soll uns vor allem als Warnung dienen“, sagte Launert am Rande der Veranstaltung. Die Geschichte der Stasi zeige eindrucksvoll, dass es ein Warnsignal ist, wenn man die Mächtigen nicht mehr kritisieren dürfe. Aufgrund familiärer Hintergründe habe sie auch Einblicke in private Konstellationen bekommen und erfahren, wie weit „der lange Arm der Stasi“ reichte.
Launert verwies auch auf die Gedenkstätte im einst geteilten Mödlareuth im Landkreis Hof. Mit dem als „Little Berlin“ bezeichneten Dorf befinde sich eine der eindrucksvollsten Gedenkstätten der deutschen Teilung in unmittelbarer Nähe. Vor allem Schulklassen rief sie zu einem Besuch auf. Dafür gebe es sogar einen Fahrtkostenzuschuss vom Freistaat. Die bayerische Staatsregierung sei neben der hessischen die einzige westdeutsche Landesregierung, die Schulen bei Fahrten zu Gedenkstätten finanziell unterstützt. Ziel sollte es sein, dass jeder bayerischer Schüler die Möglichkeit erhält, eine Gedenkstätte zur NS-Diktatur und eine Gedenkstätte zur deutschen Teilung zu besuchen.
Die Wanderausstellung im Rathaus beantwortete unter anderem die folgenden Fragen: Wie ging es den Menschen in Ost und West, die ins Visier der Staatssicherheit der DDR gerieten? Mit welchen Methoden arbeitete die Stasi? Und wie präsent war die Geheimpolizei auch in der Bundesrepublik? Die Ausstellung dokumentierte aber auch, wie durch Überwachung, Bespitzelung und Unterdrückung von Menschenrechten die Macht der Staatspartei SED in der DDR gesichert wurde.
Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) bespitzelte im Auftrag der SED nicht nur das eigene Volk, sondern arbeitete auch im westlichen Ausland, insbesondere in der Bundesrepublik. Dabei geriet auch Bayern in den Fokus. Hier standen vor allem militärische, industrielle, wissenschaftliche und politische Einrichtungen im Blickfeld.
Ein eigener Teil der Ausstellung zeigte auch regionale Beispiele von Stasi-Aktivitäten. Ab den 1950er Jahren ließ die Stasi US-Geheimdienststellen in Bayreuth beobachten. Ein besonderer Fokus lag dabei auf dem militärischen Abschirmdienst, dem Counter Intelligence Corps (CIC). Die Staatssicherheit vermutete, dass der CIC Dienststellen der Stasi und Nationalen Volksarmee im deutsch-deutschen Grenzgebiet „aufklärte“. Die Stasi setzte inoffizielle Mitarbeiter (IM) ein, um die genauen Adressen der verschiedenen Standorte des CIC herauszufinden. Darüber hinaus sammelten die IM Informationen zu Wohnanschriften, Autokennzeichen und Treffpunkten von CIC-Angestellten. Im Rahmen der Beobachtungen kundschafteten die IM auch die Innenstadt von Bayreuth aus und erstellten eine Fotodokumentation.
Im Juli 1986 beauftragte die Stasi-Auslandsspionage HV A die Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt, eine Hilfsorganisation ehemaliger Bürger Sachsens und Thüringens e. V. (Hoebst) in Bayreuth auszuspionieren. Man vermutete, dass diese Organisation „feindlich aktiv gegen die DDR“ werden könne. Es wurden Informationen über die Struktur und die Mitglieder gesammelt. Inoffizielle Mitarbeiter bauten Kontakte auf und fanden heraus, dass Verbindungen zu DDR-Bürgern unterhalten und diese aktiv bei Fluchten in die Bundesrepublik unterstützt wurden.

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