Bayreuth. Klimaschutz, Wählern mit 16, „Fridays for Future“: die Themenpalette war breit aufgestellt, mit der die elfte Jahrgangsstufe die Bundespolitiker bei einer Talkrunde im Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium (MWG) konfrontierte. Die meisten Themen hatten aber eines gemeinsam: sie betrafen die Schüler ganz direkt. Die Jugendlichen widerlegten bei der Unterrichtsstunde der anderen Art auch ein Vorurteil: Jugend ist alles andere als unpolitisch. Ganz im Gegenteil: Jugend mischt sich ein und Jugend steht auf, wenn es um die eigene Sache geht. Neben Dr. Silke Launert nahmen an der Unterstunde in der Aula der Schule auch Thomas Hacker (FDP), Lisa Badum (Die Grünen), Andreas Schwarz (SPD und Tobias Peterka (AfD) auf dem roten Couch Platz. Organisiert und Moderiert wurde die Runde von der engagierten Sozialkunde- und Geschichtelehrerin Maresa Olschner.
„Klimaschutz ist wichtig, sich einzubringen ist wichtig“, sagte Launert. Glaubwürdiger wäre es ihrer Ansicht nach allerdings, wenn die „Friday-for-future“-Demonstrationen zur schulfreien Zeit stattfinde würden. Schule habe schließlich auch etwas mit Zukunft zu tun. Was den Klimaschutz konkret betrifft, so sprach Launert von einer Riesenherausforderung. Dabei sei allerdings ein weltweiter Ansatz wichtig. „Ob wir das alleine schaffen ist mehr als fraglich“, sagte sie. Jeder Euro, der investiert wird, müsse in Technologien investiert werden, die emissionsarm sind.
Wählen mit 16: Ganz ausschließen wollte das Launert nicht, sie gab allerding zu bedenken, dass das Wahlalter mit der Geschäftsfähigkeit einhergehen müsse. Schließlich sei die Wahlentscheidung eine sehr anspruchsvolle Entscheidung. Während Grüne und SPD klar für eine Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre waren, argumentierte der AfD-Vertreter strikt dagegen. Thomas Hacker entschied sich für den Mittelweg: Bei Kommunalwahlen ja, bei allen anderen Wahlen nein.
Positiv gegenüber stand Launert einer verstärkten digitalen Ausstattung der Schulen. Die Zukunft ist digital, da kann sich die Schule ja nicht davon abkapseln. „Schließlich leben wir in einem globalen Wettbewerb“. Sie gab allerdings auch zu bedenken, dass nicht nur die Hardware wichtig ist. Die Lehrkräfte benötigten auch das entsprechende Know-how und die Schule das Personal für Wartung und Instandhaltung.
Auf die Frage, ob sie die Aussage von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zu Geschwindigkeitsbegrenzungen befürworte, sagte Launert, dass sie das so nicht mittrage. Scheuer hatte ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen als „gegen jeden Menschenverstand“ bezeichnet. Es gebe ja auch jetzt schon nahezu überall bereits Geschwindigkeitsbegrenzungen. Autobahnen seien die sichersten Straßen mit den wenigsten Unfällen mit Todesopfern. Persönlich könne sie mit einer Begrenzung von 140 bis 150 Stundenkilometern leben. Für die aus Klimaschutzgründen anvisierten 120 Stundenkilometer zeigte sie sich skeptisch. Letztlich werde sich die Diskussion aufgrund des autonomen Fahrens langfristig aber erledigen, weil es dann ohnehin zu entsprechenden Geschwindigkeitsbegrenzungen kommen wird.
Ein großer Apell, den Launert dem jungen Leuten mit auf dem Weg gab lautete: „Jeder kann Politik machen“. Sie stellte auch heraus, dass es in vielen Ländern der Erde nicht selbstverständlich sei, seine Meinung frei äußern zu können. Jeder könne die Regierenden offen kritisieren, ohne Angst vor irgendwelchen Folgen haben zu müssen. Angst müsse man überall dort haben, wo man seine Meinung nicht offen äußern könne. „Kämpft für eure Ziele“, rief Launert den jungen Leuten zu und ermunterte sie, sich noch mehr für Geschichte zu interessieren.
In diesem Punkt waren sich die Vertreter aller Parteien einig. „Machen sie mit, bringen sie sich ein“, so Thomas Hacker mit einem Verweis auf die Europawahlen im Mai. „Jugend ist wahnsinnig politisch“, freute sich Lisa Badum und Andreas Schwarz stellte fest: „Politik und Gesellschaft leben vom Mitmachen. Auch Tobias Peterka merkte an: „Bleibt kritisch gegenüber jeder Meinung.“

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