Emtmannsberg. Hier gibt es den wahrscheinlich kleinsten Dorfladen Bayern und eine der kleinsten Banken im nordostbayerischen Raum: Die Gemeinde Emtmannsberg ist mit rund 1150 Einwohnern eine der kleinsten im Landkreis Bayreuth. Dass sie dennoch attraktiv ist und einiges zu bieten hat, davon konnte sich die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert bei einem Gemeindebesuch überzeugen.
Im Zentrum stand dabei das geradezu vorbildlich sanierte Schloss der ehemaligen Freiherren von Stein aus dem Jahr 1689. Hier gibt es nicht nur kommunale Räume, die Volkshochschule, einen Veranstaltungsraum und eine (derzeit leider nicht verpachtete) Gaststätte. Im Mittelpunkt steht der mit 40 Quadratmetern wohl kleinste, aber dafür laut den Verantwortlichen auch einer der schönsten Dorfläden Bayerns.

Der neue Dorfladen Emtmannsberg hat das Ziel, Regionalität konsequent umzusetzen. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, so Bürgermeister Thomas Kreil und sein Stellvertreter Gerhard Herrmannsdörfer, zugleich ehrenamtlicher Beiratsvorsitzender des Ladens. „Produkte regionaler Erzeuger erfolgreich vermarkten“, das wollten Gerhard Herrmannsdörfer und Dorfladenleiter Stefan Bauernfeind von Anfang an. So kommen zum Beispiel die Wurstdosen von der Metzgerei Steinlein in Zochenreuth, Frischwurst von den Metzgereien Parzen in Bayreuth und Lindner in Weidenberg sowie Backwaren von den Bäckereien Nitschke in Bayreuth und der Buchauer Holzofenbäckerei in Pegnitz. Den Ziegenkäse beziehen die Verantwortlichen von der Ziegenkäserei aus Würnsreuth, Saft und andere Getränke von der Obstkelterei Rauh in Lehen, Bio-Soßen von der Firma Alber aus Marktschorgast und Herods Fruchtgelee aus Kasendorf im Kulmbacher Land.
Natürlich gibt es auch einen Grundbestand an Waren, außerhalb des regionalen Sortiments, die der Großhandel zuliefert. Tiefkühlpizza zum Beispiel, oder einige „Gut-und-günstig-Produkte“ von Edeka. Aber das nur der Vollständigkeit halber. Schließlich soll der kleine Laden die Grundversorgung der Entmannsberger sicherstellen. Eine weitere Besonderheit sind die beiden Automaten vor der Eingangstür. Auch sie bieten alles zur Grundversorgung außerhalb der Ladenöffnungszeiten und das zu zivilen Preisen und ausschließlich aus regionaler Herkunft.

Wie in vielen kleineren Orten im Freistaat, gab es auch in Emtmannsberg nahe der Bayreuther Stadtgrenze früher einen Lebensmittelladen. Doch auch hier ließ sich der allgemeine Konzentrationsprozess nicht aufhalten. Mit dem Vorhaben das ehemalige Schloss mitten im Ort zu sanieren, umzubauen und einer Nutzungsänderung zuzuführen, ergab sich auch die Möglichkeit im Erdgeschoss des Gebäudes einen Dorfladen vorzusehen. Um die Einrichtung des im Rahmen der Schlosssanierung vorgesehenen Dorfladens konkret anzugehen, wurde, nach anfänglichen Besprechungen im Dezember 2017 im Gemeinderat, ein Arbeitskreis gegründet. Fragen wie „Wer möchte wann im Emtmannsberger Dorfladen einkaufen“, „Welche Produkte werden dort erwartet“ oder „Wer wäre bereit in einem Dorfladen aktiv mitzuarbeiten“, standen dabei im Mittelpunkt und wurden von rund 300 Bürgern beantwortet.
Der Dorfladen Emtmannsberg wurde im Februar 2018 als Unternehmergesellschaft (UG) gegründet. Ein gewählter Beirat übt Überwachungs- und Kontrollfunktionen aus und bestellt den Geschäftsführer. Die Unternehmensbeteiligung ist mit einer einmaligen Einlage in Höhe von mindestens 250 Euro möglich. Aktuell liegt die Gesamtsumme der 110 gezeichneten Anteile bei 36000 Euro.
Mit Stefan Bauernfeind, gelernter Landwirt aus Wolfsbach und zuletzt rund 20 Jahre lang im Einzelhandel tätig, gibt es einen einzigen hauptamtlichen Mitarbeiter. Zusammen mit 30 ehrenamtlichen Kräften werden die Öffnungszeiten abgedeckt. „Die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit ist deswegen so hoch, weil die Menschen einfach die Sehnsucht haben, wieder einen Laden im Dorf zu haben“, sagt Gerhard Hermannsdörfer. Insgesamt sei für den Dorfladen ein Investitionsvolumen von rund 100000 Euro notwendig gewesen. Neben der Beteiligung seitens der Bürgerschaft kamen weitere finanzielle Mittel von der Gemeinde aus dem europäischen Leader-Programm, das modellhaft innovative Projekte im ländlichen Raum unterstützt.
Die Abgeordnete Dr. Silke Launert würdigte bei ihrem Besuch das außerordentliche ehrenamtliche Engagement. „Was sie hier angestoßen haben, ist wirklich vorbildlich“, sagte Launert. Nicht nur das Schloss sei wieder mit Leben erfüllt worden, auch die Versorgung der Menschen vor Ort sei Dank des innovativen Automatenkonzeptes sogar 24 Stunden pro Tag möglich.

Eine Besonderheit von Emtmannsberg ist auch die dortige Raiffeisenbank, die als eine der kleinsten Banken im nordostbayerischen Raum gilt. Die Genossenschaftsbank hat 15 Mitarbeiter, eine einzige Geschäftsstelle im Ortsteil Troschenreuth, rund 2000 Kunden und 500 Mitglieder. Die Bilanzsumme liegt laut Stefan Lischkowitz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, und Vorstand Jan Kalbitz bei 66,9 Millionen Euro. Als eines der wichtigsten Geschäftsfelder bezeichnete Kalbitz die Kreditvergabe für den gesamten Baubereich. Der Bank angeschlossen ist ein Warengeschäft für die Landwirtschaft, die in Emtmannsberg mit zahlreichen Vollerwerbsbetrieben noch eine wichtige Rolle spielt.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag