Bayreuth. Eine Aufwertung des Pflegeberufs hat Geschäftsführerin Marion Tost beim Besuch der Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert im Zentrum der Arbeiterwohlfahrt Bayreuth gefordert. „Die Pflege hat einfach nicht den Stand, den sie verdient“, sagte Tost. Pflegekräfte würden in Zukunft fehlen, deutlich mehr Personal sei notwendig.
Marion Tost führte Dr. Silke Launert nicht nur durch die Einrichtung, sondern richtete auch konkrete Forderungen an die Abgeordnete. Dabei spielte auch die Begrenzung des Eigenanteils in der stationären Pflege eine wichtige Rolle. Launert hielt es dabei für sinnvoll, den Betrag, der von der Pflegekasse kommt, zu dynamisieren, damit Steigerungen durch Kosten und Inflation ausgeglichen werden können. Einer Vollversicherung in Sachen Pflege stand die Abgeordneten aufgrund der demographischen Entwicklung dagegen kritisch gegenüber. Dem Bayreuther AWO-Zentrum bescheinigte Launert eine perfekte Konzeption, das Haus habe durchaus Vorbildcharakter.
Zuvor hatte Geschäftsführerin Tost davon berichtet, vor welchen Herausforderungen die Pflege schon heute aber besonders in der Zukunft steht. Ein Punkt war dabei die AWO-Forderung nach der Begrenzung des Eigenanteils in der stationären Pflege. Jeder müsse sich Pflege leisten können. Hier sei die Gefahr relativ hoch, dass durch die steigenden Pflegekosten immer mehr Rentner Sozialhilfe in Anspruch nehmen müssten, um sich einen Pflegeplatz leisten zu können. Auch dürfe es nicht sein, dass die Bewohner durch den Ausbildungsfonds doppelt belastet werden und die Ausbildung von Pflegekräften von privater Hand geschultert wird.
Auch die Situation der Fachkräfte müsse verbessert werden. Die angespannte Personalsituation, die Schwierigkeiten, geeignetes Fachpersonal zu finden, der fehlende Nachwuchs, aber auch Krankheitsfälle führten in anderen Seniorenheimen und auch in den AWO-Hausgemeinschaften dazu, dass immer wieder Fachpersonal ihre Freizeit unterbrechen und einspringen müssten. „Das darf eigentlich nicht sein, ist aber immer wieder nötig. Das kann man auch nur bedingt machen, man muss ja als Einrichtung auch darauf achten, dass das Personal nicht zu sehr an seine Belastungsgrenzen geht“, sagte Tost. Sie plädiert zudem für eine 35-Stunden-Woche im Pflegeberuf – hier müsse anerkannt werden, dass es sich um einen physisch und psychisch fordernden Beruf handelt.
Während eines Rundgangs erfuhr die Abgeordnete Wissenswertes über das Zentrum, die Hausgemeinschaften, die Tagespflege und das Pflegekonzept, das die AWO in seiner Einrichtung verfolgt. Geschäftsführerin Marion Tost ging hier auch auf die personellen Situationen ein, außerdem konnte sich die Abgeordnete ein gutes Bild von der Atmosphäre in den Hausgemeinschaften machen, die offen aber beschützend konzipiert wurden. Das im Jahr 2016 eröffnete Bayreuther AWO-Haus hat insgesamt 48 Bewohner in vier Hausgemeinschaften.
Tost machte auch deutlich, dass die AWO im stationären Bereich Wert darauf legt, ihre Mitarbeiter mit technisch aktuellen Equipment zu unterstützen, etwa mit einem Deckenlifter, mit dem man die Bewohner behutsam in die Wellness-Badewanne heben kann. Die Geschäftsführerin machte aber auch klar, dass technische Innovationen besonders im ambulanten Bereich aufgrund der Ablehnungspraxis der Kassen fehlen und somit die Arbeit der Pflegekräfte zuhause deutlich erschwert wird. Hier fordert Tost ein Umdenken bei den Kassen, besonders um die physische Arbeitsbelastung der Pflegefachkräfte zu verringern. Auch Dr. Silke Launert vertrat die Auffassung, dass technische Mittel genehmigt werden sollten, wenn sie die Pflege erleichtern, beziehungsweise einen Heimaufenthat im Idealfall sogar vermeiden können.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag