Bayreuth. Der Pflege steht ein gewaltiger Kraftakt bevor und der Pflegenotstand wird sich weiter vergrößern. Mit dem Konzept „Betreutes Wohnen Plus“ kämpft die Unternehmensgruppe SeniVita aus Bayreuth, deren Schwerpunkt in der Alten- und Behindertenhilfe liegt, dagegen an. Bei einem Informationsgespräch stellten der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Dr. Horst Wiesent und Aufsichtsratsvorsitzender Hartmut Koschyk der Bayreuther Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert das Konzept vor. Gleichzeitig warnten Wiesent und Koschyk vor geplanten Einschränkungen durch die Krankenkassen.
In der Region betreibt SeniVita Einrichtungen unter anderem in Gefrees, Gräfenberg, Hummeltal, Pegnitz, Pottenstein und Waischenfeld. Sie verstehen sich nicht als Pflegeheime, sondern als betreute Wohnanlagen mit freier Arzt- und Pflegewahl. „Wir haben vom vollstationären Betrieb auf betreutes Wohnen umgestellt“, erläuterte Wiesent. Dabei würden sämtliche ambulante Dienste, also Caritas, Diakonie oder BRK, eingebunden. Der Bewohner mietet die 34 Quadratmeter große Wohnung an, stattet sie nach eigenen Vorstellungen aus und kann sich auf eine Rundumversorgung über verschiedene Dienste inklusive Nachtbereitschaft im Haus verlassen.
Die Kritik der Krankenkassen kann Wiesent dabei nicht nachvollziehen. So liegt bei SeniVita die Zuzahlung in der Regel um rund 200 Euro unter der von Pflegeheimen. Die Qualitätsstandards seien trotzdem nicht niedriger, sondern im Gegenteil höher als in der stationären Pflege. Behauptungen, nach denen es in Sachen Brandschutz oder bei hygienischen Anforderungen weniger starke Reglementierungen gebe, seien unzutreffend.
Um etwas gegen den Pflegenotstand zu tun, bildet SeniVita auch selbst Pflegkräfte aus. Die kommen dabei nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus China, Russland, dem Senegal, Nepal und Lateinamerika. In der staatlich anerkannten Berufsfachschule für Altenpflege St. Nikolaus in Eggolsheim im Landkreis Forchheim, deren Betreiber SeniVita ist, seien in der aktuellen Ausbildungsklasse sieben Nationen vertreten. Deshalb soll die Schule in Zukunft auch „Internationale Berufsfachschule für Altenpflege“ heißen.
Ursprünglich sei es geplant gewesen, dass die gut ausgebildeten jungen Leute aus dem Ausland hier vor Ort einige Jahre Berufserfahrung sammeln können, um später wieder in ihre Heimat zurückzukehren. „Ich befürchte, dass der Pflegenotstand aber so groß wird, dass wir es uns gar nicht leisten können, die Kräfte zurückzuschicken“, so Wiesent. Derzeit hat die Schule rund 50 Schüler, in den kommenden Jahren soll diese Zahl verdoppelt werden. Eine zweite Schule betreibt SeniVita in Oberbayern, wo die Unternehmensgruppe ebenfalls drei Seniorenbetreuungseinrichtungen hat.
Die Abgeordnete Dr. Silke Launert bezeichnete das Ausbildungsmodell von SeniVita als einen großen Trumpf. „Das sehe ich als absolutes Zukunftsmodell“, sagte sie. Die Frage der Fachkräfte werde für die Zukunft allesentscheidend sein.

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