Bayreuth. „Im Zweifel stehen wir auf Seiten der Opfer“, sagt Josef Wittmann (73), Landesvorsitzender Bayern-Nord der Opferhilfsorganisation Weisser Ring. Der Zusammenschluss sei da, um Opfern zu helfen, so der frühere Polizeibeamte aus Weiden, der seit zehn Jahren in Nordbayern an der Spitze des Weissen Rings steht und der auch Mitglied des Bundesvorstands ist. Bei einem Besuch der Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert im Landesbüro in der Carl-Schüller-Straße in Bayreuth gewährte Wittmann einen Einblick in die Arbeit der Organisation und berichtete auch davon, dass der Weisse Ring im Raum Bayreuth/Kulmbach dringend auf der Suche nach ehrenamtlichen Mitarbeitern ist.
Am Anfang steht ein prominenter Name: Eduard Zimmermann. Der langjährige Moderator der TV-Serie „Aktenzeichen XY“ gilt als maßgeblicher Begründer des Weißen Rings. Heute hat der Zusammenschuss bundesweit 420 Außenstellen, 3000 ehrenamtliche und 200 hauptamtliche Mitarbeiter in 18 Landesverbänden. Gleich zwei Landesverbände gibt es in Bayern, einen für Nord-, einen für Südbayern. Zu Nordbayern gehören die drei fränkischen Regierungsbezirke und die Oberpfalz.
Bei der Betreuung der Hilfesuchenden gehe es in erster Linie um menschliche Zuwendung, erläuterte Wittmann. Erst danach gehe es auch um finanzielle Zuwendungen. Viele Opfer einer Straftat stünden nicht selten vor dem Nichts und seien auf Opferhilfe angewiesen. „Wir können unterstützen und Notlagen lindern“, so der Landesvorsitzende.
Der Weisse Ring finanziert sich über Mitgliedsbeiträge (30 Euro pro Jahr), Geldzuweisungen durch die Justiz, Spenden, Benefizkonzerte sowie zu einem großen Teil durch testamentarische Verfügungen. Finanzielle Hilfen für potentielle Opfer seien auch möglich für die Erstberatung bei einem Rechtsanwalt, für notwendige rechtsmedizinische Untersuchungen oder, wenn traumatisierte Opfer professionelle Hilfe benötigen. Als weitere Aufgaben des Weissen Rings bezeichnete Wittmann Präventionsangebote, Vorträge an Schulen und bei Elternabenden sowie eine breite Öffentlichkeitsarbeit.
Als dringendes Problem, gerade in der Region, nannte der Landesvorsitzende die Tatsache, dass es zu wenig ehrenamtliche Mitarbeiter gebe. In Bayreuth sei man mit derzeit sechs Ehrenamtlichen für Opferbetreuung und –beratung noch relativ gut aufgestellt. Ganz anders stelle sich die Situation in Kulmbach dar. Hier hatte die langjährige Leiterin ihr Amt aus persönlichen Gründen niederlegen müssen, so dass der Chef der Bayreuther Außenstelle Heinz Petri derzeit kommissarisch auch mit für Kulmbach tätig ist.
Die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert begrüßte das Engagement des Weissen Rings, der eine segensreiche Arbeit für die Gesellschaft leiste. Sie sagte zu, bei der neuen Ausgestaltung des Opferentschädigungsgesetzes darauf zu achten, dass Opfer auch künftig nicht schlechter gestellt würden, als bisher. Launert machte auch darauf aufmerksam, dass im Rahmen des neuen „Gute-Kita-Gesetzes“ Gelder für die Präventionsarbeit bereitgestellt wurden.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag