Aufseß. Mit einem Festgottesdienst in der Schlosskirche, einer Kranzniederlegung am Ehrenmal und einer Feier im Schlosshof hat der Soldaten- und Kameradschaftsverein Aufseß und Umgebung am Wochenende sein 130-jähriges Bestehen gefeiert.
In seiner Predigt stellte Militärpfarrer Johannes Waedt aus Straubing passend zum Sonntag „Rogate“ die Bedeutung des Betens und einen Aufruf zur Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Nichts gegen Meditation, Atemtechnik oder Yoga, aber Beten habe eine ganz andere Qualität, sagte Waedt. „Wer nicht regelmäßig betet, der betet bald auch nicht mehr unregelmäßig“, so der Geistliche, der aus Rumänien stammt.
Nach dem zivil-militärischen Gottesdienst in der vollbesetzten Schlosskirche marschierten Festgäste, Soldatenkameraden und deren Angehörige sowie Vertreter von Vereinen und Verbänden gemeinsam zum Kriegerdenkmal und gedachten mit einer Kranzniederlegung den gefallenen Kameraden. An der Spitze marschierte dabei die Blaskapelle Neuhaus gefolgt von einem Ehrenzug der Kulmbacher Reservisten, befreundeten Kameradschaften aus der Umgebung und Vertreter der Feuerwehren aus der Umgebung.
Bei der anschließenden Feier im Schlosshof erinnerte der Bayreuther Kreis- und oberfränkische Bezirksvorsitzende des Bayerischen Soldatenbundes Klaus-Dieter Nitzsche an die Gründung vor 130 Jahren. Ziel sei es damals nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 gewesen, versehrte Kameraden zu unterstützen und Geselligkeit zu pflegen. Letzteres sei auch heute noch bei den Soldatenkameradschaften von Bedeutung.
Ehrengast der Feier war die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert aus Bayreuth. Am Tag der Europawahl appellierte sie an alle Zuhörer, aufzupassen, dass radikale Kräfte nicht die Oberhand gewinnen. Gerade in unserer Spaßgesellschaft, die von großer Individualität geprägt sei, ist auch Verantwortung wichtig. Die Soldatenkameradschaft Aufseß gehört ihren Worten zufolge zu den ganz aktiven Vereinen, die Traditionspflege und Brauchtum hoch halten. Hier werde Kameradschaft und Verantwortung noch gepflegt, hier sehe man sich noch der Tradition verpflichtet.
Ein weiterer prominenter Teilnehmer, den der Vorsitzende der Soldatenkameradschaft Wilhelm Scheuring und der Aufseßer Bürgermeister Ludwig Bäuerlein begrüßen konnten, war Karl Sägner aus Stücht bei Heiligenstadt. Er ist mit 95 Jahren nicht nur das älteste Mitglied der Soldatenkameradschaft sondern auch der letzte lebende Teilnehmer des Zweiten Weltkrieges. Sägner war im Russland-Feldzug bis Stalingrad eingesetzt, er ist Heimatvertriebener und war 1945 in die Fränkische Schweiz gekommen.

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