Bayreuth. Heftige Kritik an der geplanten neuen „Richtlinie über die personelle Ausstattung der stationären Einrichtungen der Psychiatrie und Psychosomatik“ (PPP-Richtlinie) hat Katja Bittner, Vorstand des Kommunalunternehmens Kliniken und Heime des Bezirks Oberfranken, geübt. Bei einem Informationsgespräch mit Dr. Silke Launert und dem stellvertretenden Bezirkstagspräsidenten Dr. Stefan Specht, ging Katja Bittner davon aus, dass sich die Situation in den oberfränkischen Bezirkskliniken mit Inkrafttreten der neuen Richtlinie deutlich verschlechtern wird.
Unter anderem werde es nicht mehr möglich sein, alle Patienten zu behandeln und in den Außenstellen tätig zu werden. „Vor allem die Flexibilität geht verloren“, sagte die Chefin der oberfränkischen Bezirkskliniken. Bei der aktuellen anstehenden Regelung geht es um die verbindliche Festlegung von Mindestvorgaben für die Ausstattung mit dem für die Behandlung erforderlichen therapeutischen Personal. Im Unterschied zur bisherigen Psychiatrie-Personalverordnung sollen mit der neuen Richtlinie erstmals verbindliche personelle Mindestvorgaben etabliert werden.
Der Ansatz sei nicht einmal so schlecht, doch die Ausführung gehe nach hinten los, sagte Katja Bittner, die vor allem eine riesige Bürokratiewelle auf die Kliniken zukommen sieht. Neu ist beispielsweise, dass es eine Erfüllungsquote (so und so viel Minuten pro Patient und Tag) für jede Berufsgruppe einzeln, also für Ärzte, Psychologen, Pfleger, Sozialpädagogen und Psychotherapeuten, geben soll. So sollen sich die notwendigen Stellen und deren Kostenerstattung errechnen.
„Das ist absolut lebensfremd“, kritisierte Katja Bittner, schließlich könne man nicht im Voraus schon wissen, welchen Personalbedarf welcher Patient braucht. Wie soll man bei der Erstellung der Dienstpläne wissen, ob ein Patient eine Regel- oder eine Intensivbehandlung benötigt. Patienten wechselten ja auch zwischen den Abteilungen, außerdem hätten manche eine Aufenthaltsdauer von wenigen Tagen, andere von bis zu sechs Monaten. Um die Auflagen zu erfüllen, müssten die Kliniken 20 bis 30 Prozent mehr Personal vorhalten, damit der Patientenbedarf gedeckt ist.
Als einfache Lösung schlug die Klinikchefin eine Kalkulation nach pauschalierten Abrechnungsverfahren der DRGs, also in Form von diagnosebezogenen Fallgruppen, vor. Als Ergebnis könnte am Ende stehen: „Wie viel Geld hätten wir im Laufe des Jahres benötigt und wieviel haben wir bekommen“. Anhand dieser Zahlen könnten die Vergütungen mit den Kassen verhandelt werden. Damit hätte man auch den Nachweis der notwendigen Personalkosten bei den Berufsgruppen, die direkt am Patienten arbeiten, und zwar in der Summe der Behandlungsnotwendigkeiten pro Patient.
Dr. Silke Launert und Dr. Stefan Specht kritisierten die viel zu bürokratischen Vorgaben und den dahinterstehenden „Kontrollwahn“. Sowohl im Interesse des Patienten als auch im Interesse der Kostenstabilität gehe die geplante Richtlinie an der Realität vorbei.

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