Berlin. Auch Frauen können sich in Männerdomänen durchsetzen. Eine, die das auf ganz ungewöhnliche Art und Weise unter Beweis stellen will, ist die promovierte Astrophysikerin Suzanna Randall. Sie will die erste deutsche Frau auf der Internationalen Raumstation ISS werden. Bei einem Treffen mit Dr. Silke Launert und anderen Parlamentariern stellte die 39-Jährige ihre Pläne in Berlin vor.
Weltweit hätten Frauen in der Raumfahrt nur einen Anteil von zehn Prozent. Unter den elf deutschen Astronauten sei bislang keine einzige Frau gewesen. Damit gehöre Deutschland im internationalen Vergleich gemeinsam mit Kasachstan zu den Schlusslichtern: Jedes Land, das mehr als drei Astronauten stellte, schickte mindestens auch eine Frau ins All.
Mit Hilfe der Kampagne "Die erste deutsche Astronautin" soll dies nun klappen: Rund 45 Millionen Euro will die private Initiative sammeln, damit Ende 2020 die erste deutsche Frau auf der ISS forschen kann. Ein Vorhaben, das junge Frauen und Mädchen für die Wissenschaft begeistern will: "Das wird eine riesige Symbolkraft haben", glaubt Randall.
400 hoch qualifizierte Bewerberinnen – Naturwissenschaftlerinnen, Pilotinnen, Ingenieurinnen – hatten sich für das Auswahlverfahren angemeldet, bei dem das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt mit von der Partie war. Randall setzte sich als eine von zwei Finalistinnen durch. Nur eine von beiden wird – sofern das Geld zusammenkommt – auf Weltraummission gehen. Seit Anfang 2018 lernt Randall Russisch, Roboterkunde und Tauchen und absolviert Parabelflüge, das heißt, sie trainiert Schwerelosigkeit in der Luft.
Suzanna Randall nimmt es mit Humor, wenn sie als "Germany’s next Top-Astronautin" bezeichnet wird oder wenn die Bild-Zeitung sie als "Miss Universe" tituliert. "Die Zeit, wo man wirklich Supermann sein musste", sagt Randall, "wie am Anfang der Raumfahrt, wo das wirklich die Militärjet-Piloten waren und physische Kraft ganz, ganz wichtig war – das ist vorbei."

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