Ahorntal. Mit den Unternehmen Richter R&W Steuerungstechnik in Körzendorf sowie der F.K. Isoliermontage in Kirchahorn standen zwei weit überregional tätige Unternehmen im Mittelpunkt eines Gemeindebesuchs der Bayreuther Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert im Ahorntal.
Was beide Unternehmen verbindet: sie suchen händeringend nach Fachkräften und nach Auszubildenden. Sowohl Geschäftsführer Bernd Zeilmann von Richter R&W als auch sein Geschäftsführerkollege Helmut Fuchs von F.K. Isoliermontage beklagten außerdem, dass es im Ahorntal kein Gewerbegebiet gibt. Beide Unternehmen mussten bereits zusätzliche Bürocontainer aufstellen, beziehungsweise mit einem Teil der Produktion nach Waischenfeld ausweichen. Launert sprach danach von unglaublich innovativen Unternehmen im Herzen der Fränkischen Schweiz. Beide Firmen würde man auf den ersten Blick nicht unbedingt so im Ahorntal vermuten.

Die 1990 gegründeten Richter R&W gilt als Spezialist für Steuerungstechnik, Messtechnik und Regeltechnik. Die Leistungsbereiche des Unternehmens mit fast 50 Mitarbeitern reichen von der Planung und Konstruktion, Auslieferung, Montage und Inbetriebnahme bis hin zur Schulung. Nach den Worten von Geschäftsführer Bernd Zeilmann arbeitet seine Firma beispielsweise in Sachen Speichertechnologie mit dem Fraunhofer Institut zusammen.
Was den Fachkräftemangel angeht, bedauerte Zeilmann, der auch Obermeister der Elektroinnung ist, dass die gut ausgebildeten Kräfte aus dem Handwerk nicht selten von Kommunen abgeworben werden. Egal ob Bauhofleiter, Klärwerker oder Wasserwart, alle kommen aus dem Handwerk, so Zeilmann. Damit werde der Fachkräftemangel zusätzlich beschleunigt. „Wofür bilde ich aus, wenn die Lehrlinge später sowieso wieder abgeworben werden“, so würden bereits viele seiner Kollegen denken. Der Bedarf am Auszubildenden könne ohnehin nicht aus der Region gedeckt werden. Richter R&W stellt pro Jahr vier Lehrlinge ein. Ausgebildet werden in Körzendorf Elektroniker für die Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, für die Fachrichtung Automatisierungstechnik, technische Systemplaner, Informationselektroniker sowie Kaufleute im Büromanagement.

Als weiteres Problem, das die Suche nach geeignetem Nachwuchs zusätzlich erschwere, nannte der Geschäftsführer die Lage des Ortes jenseits des öffentlichen Personennahverkehrs. Als Lösung brachte er die Einrichtung von Ruftaxis oder die Einführung eines Pendelverkehrs nach Glashütten ins Gespräch. Zeilmann kritisierte schließlich auch die ablehnende Haltung des Landratsamtes, Ausnahmegenehmigungen für das Autofahren mit 17 Jahren von der Wohnstätte zum Ausbildungsplatz zu erteilen.

Zweiter Betrieb war die F.K. Isoliermontage GmbH in Kirchahorn, die als eines der führenden Unternehmen in Süddeutschland für die Planung und Durchführung von Wärme- und Kältedämmarbeiten sowie Schall- und Brandschutzarbeiten gilt. Das Unternehmen aus dem Ahorntal ist der größte derartige Betrieb in Nordbayern. Zahlreiche Referenzobjekte im Bundesgebiet sowie im benachbarten Ausland zeigen die breite Fachkompetenz der Firma, so Geschäftsführer Helmut Fuchs, der auch stellvertretender Obermeister der Bauinnung ist.
Dabei geht es um Dämmung und Isolierung von technischen Einrichtungen an Industrieanlagen wie Kesseln, Behältern, Trocknungsanlagen, Kühlräumen, Kühltunneln und Kälteanlagen sowie in der Gebäudetechnik um Rohrleitungen, Armaturen, Heizanlagen, Klimaanlagen, Luftkanäle, Kabeltrassen und Kabeldurchführungen. Spezialisiert ist das Unternehmen vorwiegend auf den Lebensmittel- und Pharmasektor, unter anderem mit Molkereien oder Brauereien oder Arzneimittelherstellern. Sogar in Griechenland, der Ukraine, in Tansania und aktuell in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba war und ist F.K.I. bereits tätig. Um den Auftrag aus Äthiopien annehmen zu können, musste das Unternehmen eine 2000 Quadratmeter große Halle in Waischenfeld für die Produktion anmieten.
F.K.I. ist aber auch ein wichtiger Ausbildungsbetrieb für den Beruf des Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutzisolierers. "Die Ausbildung ist wichtig für die nachhaltig positive Entwicklung unseres Betriebes und des gesamten Gewerks", so Geschäftsführer Helmut Fuchs. F.K.Isoliermontage GmbH konnte in den zurückliegenden Jahren mehrfach Landes- und Bundessieger im Leistungswettbewerb des Handwerks vorweisen. Mit dem Ungarns Balasz Kis schaffte es ein Azubi in seinem erlernten Beruf des Isolierers sogar zum Europameister.
Vor den Firmen hatte die Bundestagsabgeordnete zusammen mit Bürgermeister Florian Questel, dem einzigen Bürgermeister der Grünen im Landkreis Bayreuth, und den Gemeinderäten Monika Grüner-Schürer (FBA) und Reinhold Schoberth (CSU) sowie Gerd Büttner von der CSU unter anderem das derzeitige Containerrathaus am Ortseingang besucht und sich ein Bild von den geplanten Radwegebauten bei Freiahorn, zwischen Kirchahorn und Oberailsfeld, sowie von Projekten der Dorferneuerung wie dem Dorfplatz Körzendorf gemacht.

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