Affalterthal / Morschreuth. Wer kennt sie noch, die Eicher Traktoren. Längst sind sie aus dem Alltag verschwunden und nur noch Liebhabern ein Begriff. Im Egloffsteiner Ortsteil Affalterthal gibt es 25 fahrtüchtige Eicher allein im Dorf. Grund genug, die Tradition hochleben zu lassen und alljährlich ein „Eichertreffen“ zu feiern. Dr. Silke Launert durfte diesmal in die Rolle der Glücksfee schlüpfen und die Gewinner der hochkarätig ausgestatteten Tombola ermitteln.
Eicher war ein Hersteller von Traktoren, Landmaschinen und Motoren. Das Unternehmen wurde 1936 von den Brüdern Josef und Albert Eicher im oberbayerischen Forstern gegründet und ging 1992 erstmals insolvent.
Trotzdem waren es auch diesmal wieder rund 5000 Interessierte, die sich in dem kleinen Dorf mit knapp 450 Einwohnern trafen. Große und kleine Bulldogs waren zum Anschauen und Fachsimpeln ausgestellt, zudem gab es eine TÜV-Abnahme, einen Motoren-Leistungstest und einen Motorenlehrgang mit dem ehemaligen Eicher-Monteur Anton Glasl. Auf dem Festgelände wurden Ersatzteile und allerlei Fanartikel sowie Informationen von den zwei größten Eicher-Vereinen (Eicherfreunde Forstern und Eicherfreunde Schwarzwald) angeboten. Höhepunkte am Sonntag war die Rundfahrt aller Eicher durch das Dorf und als Abschluss die Verlosung des Eicher Tiger II.
Der Eicher Tiger II mit 35 PS wurde von 1968 bis 1972 3164-mal gebaut. Er verfügte mit drei Zylindern über 3000 Kubikzentimeter Hubraum, die 35 Pferdestärken lieferten. Mit Schnellgang schaffte er 28 km/h Spitze. Er war der populärste Schlepper dieser Baureihe.
Vor 16 Jahren kam man auf die Idee, erstmals ein "Eichertreffen" in der Dorfwiese zu veranstalten, zu dem nur Fahrzeuge dieser Marke zugelassen sind. Der Grund dafür: Es gab noch so viele funktionstüchtige Traktoren dieser Marke im Dorf. In Affalterthal überdauerte die Traktorfamilie nicht nur einen ganzen Berufszweig. In den 50er Jahren, zur Blütezeit des Eicher-Bulldog, gab es hier 42 Bauernhöfe mit 22 Eichertraktoren. Heute zählt man keinen Bauern mehr, aber es gibt bis jetzt 25 fahrtüchtige Eicher im Dorf.
Das Treffen stand auch in diesem Jahr wieder unter dem Motto "Eicherfreunde Affalterthal helfen". Diesmal unterstützen die Eicherfreunde die Elterninitiative krebskranker Kinder Erlangen e.V. mit dem Erlös aus der Verlosung und den Spenden in Höhe von 17.000 Euro. Damit soll vor allem die Musiktherapie für Kinder unterstützt werden.
Dr. Silke Launert spielte die Glücksfee, assistiert von Landrat Hermann Ulm und Vizelandrätin Rosi Kraus. Dabei halfen auch Hauptorganisator "Bobby" Porisch und die beiden Brüder Simon und Hans-Martin Gemählich, die das Fest maßgeblich mit auf die Beine gestellt hatten. Bürgermeister Stefan Förtsch, ebenfalls Eicher-Traktor-Fahrer, moderierte. Ein Holzfäller-Set ging als dritter Preis an Carola Vogel aus Affalterthal. Den zweiten Preis, einen Beetpflug sicherte sich Rainer Bieger aus Hundsboden. Der erste Preisträger war bei der Ziehung nicht anwesend, daher konnte auch der Eicher nicht übergeben werden. Über das Internet soll er gefunden werden. Ein herzliches Dankeschön richteten alle Beteiligten an die vielen Helfer, wie etwa die Feuerwehren aus Affalterthal, Schlehenmühle und Bieberbach, die den Verkehr und das Parken regelten.

Kult sind auch das Stöckelackerfest der Morschreuther Dorfjugend und das Oldtimer-Bulldogtreffen mit der Rundfahrt der Dieselrösser durch das Malerdorf. An die 130 Teilnehmer wurden diesmal gezählt. Zum ersten Mal wurde das Fest mit dem Tag der offenen Tür der Kulturwerkstatt Fränkische Schweiz gefeiert.
Einige reisten von weit her bereits am Tag zuvor mit ihren Bulldogs an. Ein Deutz kam sogar aus der Nähe von Schweinfurt, ein Hanomag aus Unterfranken und die benachbarten Leutzdorfer Bulldogfreunde kamen gleich mit einem ganzen Duzend Dieselrössern.
Seit 13 Jahren gibt es das Oldtimer-Bulldogtreffen in Morschreuth und viele der Teilnehmer waren schon von Anfang an dabei. Stark vertreten waren zum Beispiel auch die Traktorfreunde aus Kühlenfels oder die Oldtimerfreunde aus Ottenhof bei Plech.
Die Veranstaltung ließ einmal mehr die Herzen der Oldtimer-Fans höher schlagen. Das Besondere am Stöckelackerfest ist, dass es schon seit 45 Jahren existiert und dass es komplett von der Dorfjugend organisiert wird. Also von Jugendlichen im Alter von 16 bis Mitte 20.

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