Pegnitz. Die immer schwerer werdende Erzeugung von Lebensmitteln hat Kreisbäuerin Angelika Seyferth beim Pegnitzer Landfrauentag im ASV-Sportheim angeprangert. Es wird immer schwieriger wirtschaftliche zu arbeiten“, sagte Seyferth. Schuld daran seien zahlreiche Auflagen wie die Düngeverordnung, Einschränkungen bei der Bewirtschaftung von Gewässerrandstreifen, das Mercosur-Abkommen und vieles mehr. „Wir brauchen wieder Rahmenbedingungen, die auch umsetzbar sind“, appellierte sie an die Politik. An den Verbraucher gerichtet, forderte sie, regionale Lebensmittel zu bevorzugen. Der Verbraucher bestimme die Nachfrage, die Discounter richteten sich danach.
Hauptrednerin des Landfrauentages war diesmal die Europa-Abgeordnete und frühere Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler aus dem Nürnberger Land. Sie zählte auf, was in unserem Land alles in Schieflage geraten sei und forderte gegenzusteuern. Jeder einzelne könne seinen Beitrag leisten und die Region positiv gestalten, sagte Mortler und griff damit auch gleich das Jahresthema der Landfrauenarbeit im Bauernverband „Die Region gestalten“ auf. Dazu gehöre es beispielsweise die heimischen Einzelhändler, Bäcker und Metzgereien zu unterstützen anstatt im Internet bei Amazon oder Doc Morris zu bestellen. Nur dann sei noch eine gewisse Grundversorgung in ländlichen Regionen möglich. Man müsse sich stets vor Augen halten, was eine Kaufentscheidung für meine Region bedeutet.

Gegen Intoleranz und die Radikalisierung der Gesellschaft machte sich die Bundestagsabgeordnete Silke Launert stark. So sehr sie sich zunächst darüber gefreut habe, dass sich die Jugend engagiere, so sehr mache es ihr nun Angst, wenn eine gewisse Radikalisierung eintritt. Das sogenannte „Oma-Lied“ bezeichnete Launert als absolute Dreistigkeit. Ausgerechnet die Generation werde beschimpft, die mit ganz wenig Dingen zurechtgekommen ist. Ohnehin brauche man den Bäuerinnen nichts von Nachhaltigkeit erzählen. Niemand anderes stehe so für Nachhaltigkeit wie die Landfrauen, da gebe es nichts, was nicht noch wiederverwertet werde. Launert warnte, dass die derzeit zu beobachtende Radikalisierung nicht nur klimamotiviert, sondern gegen das gesamte System gerichtet sei. „Nicht nur das rechte Lager, auch das linke Lager möchte das System abschaffen“, so die Abgeordnete.
Auch der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab stellte immer mehr Polarisierung, Spaltung und Populismus fest. „Setzen wir ein Zeichen dagegen und stehen für Zusammenhalt und Gemeinschaft“, sagte er. Nur so werde es weiterhin gelingen, in diesem Land in Frieden zu leben.
Froh über die Einführung von verbindlichen Projektwochen zum Thema Alltagskompetenz an allen Schularten zeigte sich die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Schon vor zehn Jahren hätten die Landfrauen dafür mit Unterschriftenaktionen intensive Vorarbeit geleistet. Es dürfe dabei aber nicht nur um Kochen lernen oder rein theoretische Vorträge gehen. Im Vordergrund sollte vielmehr der Praxisbezug stehen. „Welterklärer haben wir genug“, so Brendel Fischer.
Die stellvertretende Landrätin Christa Reinert-Heinz zog für die Dachmarke „Bayreuther Land“ ein erste positive Resümee. Seit der Einführung Anfang Oktober habe sich die Dachmarke sehr gut entwickelt. Ziel sei es, dass mehr Wertschöpfung bei den Landwirten hängen bleibt. Reinert-Heinz machte sich außerdem für die Hotelfachschule Pegnitz stark. „Lassen wir uns im Landkreis nicht auseinander dividieren“, warnte sie. Die Schule sei gerade in Zeiten des Fachkräftemangels für den Landkreis eminent wichtig.

Zum Rahmenprogramm des Pegnitzer Landfrauentages gehörte auch der Auftritt des Bayreuther Landfrauenchors unter der Leitung von Martine Schill sowie ein Vortrag des dritten Bürgermeisters von Bischofsgrün Jens Stenglein, der den Landfrauen seine Gemeinde präsentierte.

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