Bayreuth. Wo bekomme ich einen Schwerbehindertenausweis her? Was muss ich alles tun, um eine Kur genehmigt zu bekommen? Wie gehe ich gegen einen meiner Meinung nach ungerechtfertigten Bescheid vor? Wo bekomme ich eine Schulbusbegleitung her und wer zahlt die medizinischen Hilfsmittel für Mutter oder Vater? Im Zusammenhang mit Krankheiten oder Behinderungen treten viele Fragen auf. Ebenso viele Beratungsstellen gibt es. Für all diejenigen, denen der Durchblick fehlt, gibt es jetzt eine Stelle, die eine Art Lotsenfunktion übernimmt: die „Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung“, kurz EUTB.
Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich eine Einrichtung, die man kurz mit dem Slogan „Eine für alle“ beschreiben könnte. „Wir sind sozusagen der Brückenkopf“, sagte Teilhabeberater Thomas Odewald von der EUTB Bayreuth. Das Büro in der Carl-Schüller-Straße hat jetzt die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert besucht. Hintergrund ist, dass die Teilhabeberatung zu 90 Prozent vom Bundessozialministerium gefördert wird. Die restlichen zehn Prozent des Etats müssen die Träger aufbringen. In Bayreuth sind das die Diakonie Neuendettelsau und die Regens-Wagner-Stiftung.
Die EUBT sieht sich selbst als Beratungsangebot für alle Menschen mit Behinderungen, für Menschen, die von Behinderung bedroht sind und für deren Angehörige. Ganz wichtig: „Es handelt sich dabei um ein ganz niedrigschwellendes Angebot. „Wir sind unabhängig, für die Ratsuchenden ist unsere Beratung kostenlos und auf Wunsch können die Betroffenen auch gerne anonym bleiben“, so Thomas Odewald.
Neben ihm und seinen Kolleginnen Anja Pleiner und Julia Lunkenheimer gibt es auch ehrenamtliche Mitarbeiter, in der Regel selbst Betroffene oder deren Angehörige. Fachleute sprechen von „Peerberatung“, also der Beratung durch „Gleichgesinnte“. Auch sie helfen Ratsuchende dabei, sich in einer Notsituation durch den Behörden- und Beratungsdschungel zu kämpfen.
Nachdem im Herbst 2017 die Förderzusage vom Ministerium gekommen war, startete Thomas Odewald zunächst in Himmelkron in den Räumen der dortigen Einrichtungen der Diakonie Neuendettelsau, ehe das Büro in der Bayreuther Innenstadt im Februar 2018 an den Start ging. Jetzt nach rund eineinviertel Jahren ziehen die Verantwortlichen eine positive Bilanz: „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, sagt Günter Binger von der Diakonie Neuendettelsau. Die Ratsuchenden werden entweder durch andere Stellen auf uns aufmerksam, von Hausärzten hierher geschickt oder kommen aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda, so Kerstin Waldmann von Regens Wagner.
„Vor allem die Niederschwelligkeit des Angebotes ist enorm wichtig“, sagte die Abgeordnete Launert. Viele Betroffene würden nicht gleich einen Rechtanwalt nehmen oder sie scheuten die Kosten. Auch die Vielfalt der Beratungsmöglichkeiten sei enorm wichtig. Hier werde die Lotsenfunktion wirklich ernst genommen, so die Abgeordneten. Sie ging von einer weiter steigenden Inanspruchnahme aus, je bekannter die Einrichtung werde.
Beim Besuch der Politikerin sprachen die Verantwortlichen der EUBT aber auch einige Probleme an. So fehlten bislang die finanziellen Möglichkeiten ehrenamtlichen Mitarbeitern eine Basisqualifikation zu ermöglichen. Außerdem endet der erste Teil der Projektphase bereits am 31.12.2020. Mitarbeiter können deshalb bislang nur befristet beschäftigt werden, weil eben auch die Förderung befristet ist. Schließlich stellen die beiden Träger auch ihren Eigenanteil bei der Finanzierung in Frage. „Wir machen ja mit der Beratung keinen Gewinn und stehen als Non-Profit-Träger dahinter“, so Günter Binger von der Diakonie Neuendettelsau.

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