Bayreuth. „Wir haben in der Öffentlichkeit nicht den großen Namen, wir sind aber trotzdem das drittgrößte Chemieunternehmen der Welt.“ Das sagt der Werksleiter von LyondellBasell in Bayreuth, Günter Sachs-Weingärtner. Der Standort Bayreuth ist dabei einer von sechs Niederlassungen des börsenorientierten Unternehmens in Deutschland und einer von 55 Standorten weltweit. Hier werden Polypropylen-Compounds für die Automobilindustrie und Haushaltsgeräte hergestellt, erläuterte Sachs-Weingärtner bei einem Besuch der Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert und der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer.
Historisch gesehen erstrecken sich die 63000 Quadratmeter des Bayreuther Werks auf dem Gelände des ehemaligen Brandenburger Weihers. Die Adresse lautet deshalb auch Weiherstraße. Kaum jemanden, der auf der direkt angrenzenden Bundesautobahn A9 unterwegs ist, werden die imposanten Stahlssilos noch nicht aufgefallen sein. Sogar Fernsehleuten sind sie ein Begriff, einige Sequenzen des neuen Franken-Tatorts wurden erst vor wenigen Tagen dort gedreht.
Seit 1987 ist Lyondellbasell (früher Himont) in Bayreuth und seitdem seien weit über drei Millionen Tonnen PP-Compounds hergestellt worden. Mehr als 300 verschiedene Produkte werden aktuell für Kunden in ganz Europa produziert. Am Standort Bayreuth sind aktuell 135 Mitarbeiter beschäftigt, dazu kommen drei Produktentwickler und fünf Auszubildende für Elektroberufe und zum Schlosser. Der Leiter des Standortes beschreibt LyondellBasell als „hocheffizienten Betrieb mit modernster Technologie“, in dem Sicherheitsstandards auf höchstem Niveau festgeschrieben sind.
PP-Compounds steht dabei für einen Verbundstoff, der zusammen mit anderen Komponenten wie Elastomeren, Füllstoffen, Farbpigmenten oder Stabilisatoren verarbeitet wird. In Bayreuth wird das Granulat produziert. Kunden sind Spritzgießer, die daraus Teile wie Säulenabdeckungen, Türpaneele, Radkastenleisten, Motorabdeckungen, Stoßstanden oder Armaturenbretter für die Autoindustrie machen. „Rund 25 Kilogramm aus unserer Produktion stehen fast in jedem Auto“, sagt Sachs-Weingärtner.
Größter Absatz für PP-Compounds aus Bayreuth ist nach den Worten des Standortleiters Deutschland mit einem Anteil von über einem Drittel. Weitere große Abnehmer sind Italien, Frankreich, die Slowakei und die Türkei.
Besonders hob Sachs–Weingärtner das soziale Engagement des Unternehmens hervor. So gibt es einen Global Care Day, an dem sämtliche Mitarbeiter vor Ort ehrenamtlich tätig werden, bei der Tafel etwa oder in einem Kindergarten. Gemeinnützige Organisationen vor Ort würden außerdem regelmäßig mit Spenden bedacht. Auch einen Global Safety Day, einen Tag der Sicherheit, gibt es.
Eine enge Zusammenarbeit verbindet LyondellBasell schließlich auch mit der Universität Bayreuth. Aktuell gibt es Studienarbeiten aus der Biotechnik und chemischen Verfahrenstechnik zur Optimierung des Kühlwassernetzes oder aus dem Bereich Mess- und Regeltechnik der Ingenieurswissenschaften über Durchflussmengen von Granulaten in Förderleitungen.
Dr. Silke Launert bezeichnete LyondellBasell als bedeutenden und für Bayreuth immens wichtigen Global Player. Jeder kenne die silbernen Silos an der A9 aber kaum jemand wisse, was dort eigentlich produziert wird. Auch als Arbeitgeber und als Ausbildungsbetrieb sei LyondellBasell in der Region bekannt, so die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer. Als Ehrenamtsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung würdigte sie besonders das entsprechende Engagement, das von den Mitarbeitern hoch gehalten werde.
Bundesweit beschäftigt LyondellBasell rund 2500, weltweit 13400 Arbeitnehmer. Ein zweites bayerisches Werk befindet sich in Münchsmünster bei Ingolstadt. LyondellBasell hat seinen Sitz in Rotterdam. Der Namensbestandteil Basell geht auf ein Gemeinschaftsunternehmen von BASF und Shell zurück, 2007 kam es zum Zusammenschluss der Unternehmen Lyondell und Basell.

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