Muggendorf. Das Forchheimer Kreiserntedankfest im Wiesenttaler Ortsteil Muggendorf ist traditionell eines der größten in Oberfranken. Doch diesmal konnte sich keiner der Beteiligten daran erinnern, dass jemals zuvor so viele Besucher ins Herz der Fränkischen Schweiz gekommen waren. Viele tausend Besucher säumten bei prächtigem Herbstwetter die Straßen von Muggendorf um den Erntedankfestzug mit vielen hundert Mitwirkenden, mehreren aufwändig geschmückten Wagen, Blaskapellen, Tanzgruppen, Landfrauen und sogar Böllerschützen zu verfolgen. Zu den Mitwirkenden gehörten unter anderem auch die Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert, die Landtagsabgeordneten Michael Hofmann und Thorsten Glauber, „gekrönte Häupter“, wie die Fränkische Kirschkönigin Sandra Grau, die Spargelkönigin Theresa Bub, die Forchheimer Bierkönigin Miriam Leiner und mehrere Weinprinzessinen, genauso wie Vertreter von Vereinen, Tanzgruppen, Kirchen, Schulen und Fahnenabordnungen.

Laut Bürgermeister Helmut Taut war es das 45 Kreiserntedankfest in Zusammenarbeit mit dem BBV, einen Festzug gibt es bereits seit 1949 und das gleichzeitig stattfindende Kürbisfest wird schon seit gut 150 Jahren gefeiert. Auch für den Bürgermeister hat der Festzug diesmal alles Dagewesene übertroffen. „Der Zug war s groß, wie schon lange nicht mehr“, sagte er und bedankte sich bei den vielen ehrenamtlichen Helfern, die ein Woche lang mit vollstem Einsatz gearbeitet haben.
Trotz aller Feiern stehe der Dank im Vordergrund sagte der oberfränkische BBV-Bezirkspräsident und Forchheimer Kreisobmann Hermann Greif. Er rief dazu auf, dankbar zu sein, auch wenn der Ertrag heuer geringer ausgefalle ist. „Die Ernte war schlechter, aber es gab eine Ernte und das ist nicht selbstverständlich“, sagte Greif. Weite Teile der Bevölkerung merkten allerdings gar nicht mehr, ob die Ernte gut oder schlecht war. Die Regale seien schließlich immer voll.
Darauf zielte auch der unterfränkische BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler ab. Leider habe Erntedank heute seine Bedeutung verloren, bedauerte er. „Die Milch fließt endlos aus dem Tetrapack“, Gemüse, Fleisch und Eier liegen massenweise in den Regalen und Brot und Brötchen werden aus dem Automaten geworfen“. Allzu sicher sollte man sich trotzdem nicht sein. Deutschland habe nur noch einen Selbstversorgungsgrad von 85 Prozent. Das bedeutet, 15 Prozent der erforderlichen Nahrungsmittel müssten bereits importiert werden.

Köhler stellte außerdem klar, dass die Landwirtschaft keine Branche der Vergangenheit, sondern der Problemlöser der Zukunft ist. Ernährungssicherheit, Energieversorgung und Klimaschutz, das seien die Herausforderungen der Zukunft und für alles habe die Landwirtschaft Lösungen parat.
In den Dienst der guten Sache stellten sich auch heuer wieder die Landfrauen. Sie spendeten nach den Worten von Kreisbäuerin Rosi Kraus diesmal wieder zwischen 80 und 90 Kuchen und Torten sowie über 800 „Küchla“. Der Erlös in Höhe von mehreren 1000 Euro kommt dem bäuerlichen Hilfsdienst und der Lebenshilfe Forchheim zugute.

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