Bayreuth. Über 30 Gespräche hat er mit ihr geführt, bis zu 70 Weggefährten hat er interviewt. Manfred Otzelberger (59), Journalist mit oberfränkischen Wurzeln, hat die erste Biographie über Annegret Kramp-Karrenbauer geschrieben. Beim Ladies-Advent der Frauen Union (FU) Oberfranken stellte der frühere Mitarbeiter des Rings Nordbayerischer Tageszeitungen und jetzige Bunte-Redakteur die Biographie mit dem Titel „Die Macht ist weiblich“ vor und outete sich dabei ganz klar als Fan von AKK.
Annegret Kramp-Karrenbauer, sieben Jahre lang Ministerpräsidentin des Saarlandes, ist seit Februar 2018 CDU-Generalsekretärin und damit eine mögliche Nachfolgerin von Angela Merkel. Kann „AKK“ den Aufstieg aus dem kleinsten Bundesland an die Spitze der deutschen Politik schaffen? Woher kommt sie, was ist ihr Erfolgsgeheimnis und wie stehen ihre Chancen auf der Berliner Bühne? Fakt ist: Die 55-Jährige ist im besten Politikeralter, steht für Frauenpower in einer konservativen Partei, für Durchsetzungsfähigkeit bei harten Themen, gesunden Menschenverstand, Volksnähe und Humor. Am Ende gilt für die dreifache Mutter womöglich das Gleiche wie für Angela Merkel: Wer sie unterschätzt, hat schon verloren.

„Es gibt keine Aufgabe, die AKK nicht meistern kann“, zitierte Otzelberger den früheren Saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller. Der Autor bescheinigte der Politikerin „politischen Killerinstinkt“, sie beherrsche aber auch die Kunst des Zuhörens. Kramp-Karrenbauer besitze die Bodenhaftung, die viele andere Politiker längst verloren haben, so Otzelberger. Und weiter: „Ich glaube, dass auch die CSU mit ihr gut zurechtkommen kann.“
Die CSU werde auf jeden Fall mit Annegret Kamp-Karrenbauer zusammenarbeiten, sagte die oberfränkische FU-Vorsitzende und Bayreuther/Forchheimer Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert. Sie zeigte sich aber auch überzeugt davon, dass Kanzlerin Angela Merkel die bestimmende Person bleiben wird, solange sie im Amt ist. Während Kramp-Karrenbauer eher für Kontinuität steht, würde es bei Friedrich Merz wohl eher auf Neuwahlen hinauslaufen.

In seiner Biographie schlägt Otzelberger einen weiten Bogen von der „eigentlich recht unauffälligen Kindheit“ Kramp-Karrenbauers über ihre frühe Heirat mit dem Bergbauingenieur Helmut Karrenbauer im Alter von 22 Jahren bis zu den zurückliegenden acht CDU-Regionalkonferenzen, bei denen Friedrich Merz zwar die lautstärksten aber nicht die meisten Fans gehabt habe. Früh habe Kramp-Karrenbauer gelernt, sich durchzusetzen, beispielsweise, als Mädchen im Saarland nicht ministrieren durften, sie sich aber letztlich doch durchsetzen konnte.
1998 war Annegret Kramp Karrenbauer als Nachrückerin für Klaus Töpfer in den Bundestag gekommen, 2000 war sie Deutschlands erste Innenministerin, 2011 Ministerpräsidentin des Saarlandes und seit Februar Generalsekretärin. AKK besitze ein gesundes Machtstreben ohne Ellenbogenmentalität, sagte Otzelberger. „Sie kann, wenn sie will auch brutal sein, und eben nicht nur nett“, so der Autor. Er beschrieb AKK auch als „Ur-Europäerin“. Wenn man im Saarland aufgewachsen ist, werde man automatisch zur Muster-Europäerin.

Buchautor Manfred Otzelberger ist seit 2007 Redakteur bei der Zeitschrift „Bunte“ und dort für Politikerportraits und Interviews zuständig, die den ganzen Menschen abseits des Amtes beleuchten. Vorher war der Absolvent der Deutschen Journalistenschule Tageszeitungsredakteur in Bayreuth und hat unter anderem für Spiegel, Focus und Süddeutsche Zeitung geschrieben. Der mehrfach preisgekrönte Autor hat bereits mehrere Biographien veröffentlicht.

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