Nemmersdorf. „Wir sind praktisch der Supermarkt für die Sauen.“ Markus Weishäupl, Landwirt aus Deps, hat die Nase voll. 50 Wildschweine hat er binnen weniger Tage auf seinen Feldern rund um den Oschenberg nahe der Bayreuther Stadtgrenze gezählt. „Man kommt gegen das Schwarzwild einfach nicht an“, so Weishäupl. Zusammen mit anderen Landwirten, die rund um den Oschenberg Felder und Grünland bewirtschaften, hat er sich nun zusammengetan, um mit der Bayreuther Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert (CSU) eine Lösung zu finden.
Der Oschenberg bei Bayreuth nimmt in Sachen Schwarzwild eine absolute Sondersituation ein. Es handelt sich dabei um den rund 300 Hektar großen, ehemaligen Truppenübungsplatz der Bundeswehr, der seit dem Abzug der Soldaten als Muschelkalkgebiet unter Naturschutz steht und nicht verpachtet ist. Bewirtschaftet wird er im Auftrag der Bundesimmobilienanstalt (BIMA) von der Naturerbe GmbH. Drumherum haben die Bauern ihre Felder und ihr Grünland.
Früher, als die Panzer über den Oschenberg fuhren und Wehrpflichtige durch das Gebüsch robben mussten, verirrte sich keine einzige Wildsau auf das Gelände. Heute bieten die vielen Büsche, Hecken und Dickichte prima Versteckmöglichkeiten. Tagsüber verwüsten die Tiere auf der Suche nach Nahrung die Umgebung, nachts ziehen sich auf den Oschenberg zurück, wo sie sich absolut sicher fühlen können.
„Den Abschuss in den Griff zu bekommen, ist unheimlich schwierig“, sagte Landwirt Christian Popp bei dem Gespräch mit der Abgeordneten und verwies auf die vielen Rückzugsgebiete. Durch die herkömmliche Ansitzjagd sei es unmöglich, zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen, so Berufskollege Simon Schmidt. Seinen Worten zufolge gibt es die größten Schäden bei Mais, Raps, Weizen, Erbsen und Grünland. Die durchschnittlichen Schäden bezifferte er beim Weizen auf 186 Euro pro Hektar bei einem niedrig angesetzten Ausfall von zehn Prozent der Ernte. Beim Mais kommt Schmidt auf rund 547 Euro pro Hektar für Saatgut und Ertragsausfall.
„Die ökonomischen Schäden werden mittlerweile existentiell“, sagte Schmidt. Bereits unternommene Vergrämungsmaßnahmen wie die Aufstellung von Wildscheuchen, die Ausbringung von elementarem Schwefel oder spezielle Saatgutbeizen hätten, wenn überhaupt, nur kurzzeitigen Erfolg gezeigt. Dabei hätten sich die Strecken binnen kürzester Zeit verdoppelt und verdreifacht, erläuterte Hans Popp, Jagdberater des Landkreises.
Als probates Mittel gegen das Schwarzwild bezeichnete er die andernorts mit großem Erfolg angewandten Drückjagden. Rund um den Oschenberg seien sie allerdings mit einem gigantischen Aufwand verbunden. Gründe sind die nahe Staatsstraße und die nahezu parallel verlaufenden Bahnlinie Bayreuth – Weidenberg, die beide gesperrt werden müssten.
„Ziel muss es sein, der Bundesimmobilienanstalt nahe zu bringen, dass rund um den Oschenberg bei Bayreuth dringender Handlungsbedarf besteht“, sagte die Bundestagsabgeordnete Launert. Sie will sich deshalb vor allem dafür einsetzen, bei der Behörde Sensibilität für das Thema zu wecken. Als weitere Möglichkeiten, das Schwarzwild einzudämmen brachten die beteiligten Landwirte unter anderem die Errichtung von Lebendfallen („Saufängen“), die Ausgabe von mehr Begehungsscheinen und damit den Einsatz von mehr Jägern, die derzeit im Naturschutzgebiet verbotene Kirrung (Anlockfütterung) sowie Erleichterungen bei der Genehmigung von Nachtsichtgeräten ins Gespräch.

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