Bayreuth. 400000 qualifizierte Fachkräfte aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) werden nach Berechnungen des Verbandes der Elektrotechnik (VDE) bundesweit bis zum Jahr 2020 fehlen. „Von Bayreuth aus werden wir diesen Mangel nicht beseitigen können, aber wir können einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass MINT-Berufe wieder attraktiver werden“, sagt Yomettin Soybaba, Konrektor am Staatsinstitut für Fachlehrer in Bayreuth. Der gebürtige Forchheimer ist Gründer der offenen Hightech-Werkstatt Oberfranken mit dem Namen FabLab und gleichzeitig ehrenamtlicher 1. Vorsitzender des gemeinnützigen Trägervereins.

Fab Lab steht für „Fabrication Laboratory“, eine Idee, die 2002 in den USA entstand und deren Ziel es ist, Räume, Maschinen und Wissen im Bereich der digitalen Fabrikation für Jedermann zur Verfügung zu stellen. „Wir wollen allen Interessierten den Zugang zu computergestützten Fertigungstechnologien gewähren und damit zur Demokratisierung von Hightech beitragen“, so Soybaba bei einem Informationsbesuch der Bundestagsabgeordneten Dr. Silke Launert. Er sehe es als gesellschaftlichen Auftrag an, eine derartige Einrichtung in Bayreuth zu etablieren. Schließlich sollte jeder den Zugang zu neuen Technologien haben. Wo sonst habe man schon die Möglichkeit, an einem Lasercutter für 18000 Euro zu arbeiten? Das FabLab in der Ritter-von-Eitzenberger-Straße im Bayreuther Industriegebiet Ost gibt es bereits seit fast sechs Jahren, seitdem seien bis zu 2000 Teilnehmer an MINT-Workshops verzeichnet worden.

Drei Zielgruppen hat das FabLab: Schüler und Studenten, Angehörige von Unternehmen sowie Privatpersonen, die mit 3D-Druckern- und –Scannern. Lasercuttern, CNC-Fräsen, Folienplottern, Transferpressen und ähnlicher Technik arbeiten möchten. Lediglich ein Zertifikat ist dazu notwendig. Dabei handelt es sich um eine Bestätigung, die jeder Interessent bei einem etwa dreistündigen Kurs erwerben muss. Kosten entstehen nicht, außer für das benötigte Material. Es gibt keinen Eintritt und man muss auch nicht Mitglied des Trägervereins sein. Gehalten werden die Kurse meist von Studierenden des Instituts für Fachlehrer.
Möglich macht dies eine Reihe von Sponsoren. Ganz oben rangiert dabei das Bayreuther Logistikunternehmen Wedlich, das nicht nur die 200 Quadratmeter großen Räume zur Verfügung stellt, sondern auch für die Nebenkosten aufkommt. Daneben gibt es ein gutes Dutzend größerer und kleinerer Unterstützer aus der regionalen Wirtschaft. Die Unternehmen hätten erkannt, dass dies hier eine gute Sache ist, so der stellvertretende Vorsitzende Arnulf Daum. Dazu kommen Kursgebühren, die Mitgliedsbeiträge aus dem 30 Mitglieder starken Trägerverein und Spenden. „Wir bekommen keine öffentlichen Mittel, obwohl digitale Bildung eigentlich ein gesellschaftlicher Auftrag wäre“, so der Vorsitzende.
Trotzdem brennen den Trägern einige Probleme auf den Nägeln. Soybaba, der sich seit fünf Jahren ehrenamtlich engagiert, würde sich nicht nur größere Räumlichkeiten wünschen, sondern auch mehr Planungssicherheit. Bis heute seien keinerlei öffentliche Mittel in die Einrichtung geflossen. Seine Zukunftsvision wäre es, die staatlich geförderten BayernLabs, von denen es in der Endausbaustufe 13 geben soll, zusammen mit dem Bayreuther FabLab zu einem „BayernLab Plus“ auszubauen. „Das wäre ein Leuchtturmprojekt für ganz Bayern und eine große Chance für den Standort“, so Yomettin Sobaba.

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels würden schon heute viele Unternehmen in der Region Arbeitskräfte benötigen, die in Sachen Digitalisierung und Hightech fit sind. Sie alle seien aufgerufen, sich zu engagieren, schließlich leiste das FabLab auch wichtige Bildungsarbeit. Die Abgeordnete Launert begrüßte besonders die Eigeninitiative von Yomettin Soybaba, der die FabLab-Idee nach Bayreuth gebracht hatte, sowie das große Engagement der Unterstützer. Sie sagte ihre Unterstützung zu, das Projekt voranzubringen. „Wir müssen die Schwellenängste der Menschen abbauen, um einen einfachen Zugang zu neuen Technologien zu ermöglichen“, so Launert.
Bayernweit einmalig ist nach den Worten des Vorsitzenden schon jetzt die Vernetzung zwischen offener Werkstatt, Industrie und der Ausbildung von Lehrern. So gibt es im FabLab nicht nur Workshops für Jedermann, sondern auch Kooperationen mit regionalen Unternehmen und Schulen. So sollen berufsorientierender Zweige, Wahlpflichtfachgruppen, Arbeitsgemeinschaften, Forscher- und Begabtenkurse sowie P- und W-Seminare einen idealen außerschulischen Lernort finden.
Weitere Information: www.fablab-bayreuth.de.

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